Tipps bei Gurtzwang

Gurtzwang bei Pferden kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Und kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein: von leichtem Ohren zurücklegen bis hin zu sich auf den Boden werfen oder eine Stunde lang unkontrolliert buckeln herumzurasen, ein Fall von dem ich kürzlich hörte. Und man kann Einiges machen.

Aber zuerst ist die Frage zu klären, ob die Ursache bereits abgestellt ist.
Wichtig ist zunächst, dass man sich darüber im Klaren ist: Wenn das Pferd sagt, es ist doof – dann ist es doof.

Sattel prüfen
Viele Pferdehalter*innen übersehen die Tatsache, dass beim Gurten der Sattel angezogen wird, nicht nur der Gurt. Falls der Sattel nicht passt, wird er beim Angurten in die Druckstellen gezogen. Es ist, als würde man am Tag nach einem Bergmarsch drückende Schuhe wieder anziehen, aua! Ich kann das prüfen, indem ich meinem Pferd statt eines Sattels ein Bareback Pad oder Ähnliches anziehe und prüfe, ob das Verhalten anders ist. Ich empfehle, dies an einigen Tagen zu probieren, denn zunächst ist da seitens des Pferdes auch eine belastete Erwartungshaltung.

Gurt prüfen
Oftmals wird der Gurt absichtlich sehr fest angezogen: Reiter*innen, die in ihrem Leben schon die Erfahrung gemacht haben, mit dem Sattel vom Pferd zu rutschen, haben vielleicht ein Thema damit: Sie fühlen sich nur sicher, wennd er Gurt mit aller Kraft angezogen ist. Außerdem sehe ich immer wieder, dass die Festigkeit des Sattelgurts seitlich geprüft wird. Aber seitlich gibt es, zumindest bei manchen Pferden, eine eher hohle Stelle, je nach Brustkorbform: Aussagekräftig ist nur der Druck des Gurtes direkt unten am Brustbein.

Wie wurde das Pferd an den Sattelgurt herangeführt?
Erfahrungen vom ersten Gurten können traumatisierend gewesen sein und dieses Trauma mag nachwirken: Pferde, die einen Sattel angezogen bekommen, feste angegurtet und die „nun geh mal buckeln“-Erfahrung machen, oder im Round Pen buckelnd im Kreis getrieben werden, befinden sich in einer sehr hilflosen Situation. Sie bringen dies verständlicherweise mit dem Gurt in Zusammenhang. Dieses Trauma, umso mehr als es eine erste Erfahrung mit dem Sattel ist, kann sehr tief sitzen.

Empfindsamkeit
Stuten sind mitunter sehr empfindlich an ihrem Bauch und finden das Angurten auch je nach hormonellem Zustand unangenehm. Es können körperliche Themen am Skelett vorliegen, ein Check mit einer/m Osteopath*in oder Chiropraktiker*in, um die Strukturen von Brustbein und Rippen zu prüfen, kann angesagt sein.

Langsames Angurten
Zum allgemeinen guten Benehmen als Reiter*in gehört, dass man den Gurt zunächst sehr leicht anlegt, und zwar so leicht, wie es das Pferd als ok angibt. Erst nach und nach wird langsam angurtet, u.U. auch erst, wenn man das Pferd in die Bewegung gebracht hat. Atmet das Pferd, oder verändert es seine Atmung, sobald man den Gurt anlegt? Der Einsatz eines Gurtes mit elastischen Einsätzen (auf beiden Seiten oder mittig) kann empfehlenswert sein.

Techniken der Tellington Arbeit
Mit Körperbändern kann man dem Sattelgurt angenehme Körpererfahrungen entgegen setzen. Aus der Tellington Arbeit ist der Bauchheber mit Körperband, Händen und mit dem Sattelgurt selbst zu empfehlen, bzw. eine Vorbereitung des Körperbereichs mit Muschel-TTouches, und Pythonhebern. Bei Pferden, die generell berührungsempfindlich im Bereich ihres Bauches sind, empfiehlt sich ein Vorarbeiten von einer anderen Körperstelle, an der man den Erstkontakt macht. Man bringt die Hand nicht auf den empfindsamen Stellen in Kontakt, sondern gleitet dorthin, zb mittels einem Zickzack-TTouch oder einem Troika-TTouch. (Die Beschreibung der Techniken finden sie im Buch: Das Tellington Training für Pferde von linda Tellington-Jones, zu bestellen im www.tteamshop.de)

Das Satteln und Gurten nochmals von vorne
Mit Techniken der Tellington Methode, Clicker Training oder anderen Trainingsmethoden mit positiver Verstärkung kann ich das Satteln nochmals neu aufbauen. Dabei beginnt man mit einem Körperband um diesen Bereich, bzw. einer halben oder Viertel-Bandage. Bauchheber mit Handtüchern oder elastischen Bändern oder Gurten sollen dem Pferd helfen, weiterhin zu atmen, auch wenn im Bereich der Gurtlage etwas angelegt wird. Mit dem Clicker oder einem Markerwort kann ich sowohl den Sattel (oder vorab nur eine Decke), als auch einen Gurt neu positiv verknüpfen. Dabei achte ich darauf, einen Moment zu wählen, für die Bestärkung, in dem die Ohren vorne sind und das Pferd ein entspanntes frohes Gesicht macht.
Ich kann den Fortgang meiner Arbeit prüfen, indem ich das Pferd sattle bzw gurte, ohne es festzubinden. Denn das Pferd hat das recht „nein danke“ zu sagen, wenn es klemmt.

Und bis dahin: ohne Sattel reiten 🙂 und die wunderbaren Fortschritte in der Bodenarbeit genießen. Denn, wie ich zuletzte von Alexandra Kurland überzeugend vorgetragen gehört habe: sauber gelegte Fundamente machen die Musik.

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Jungpferde „initiieren“, ein besonderer Ausbildungskurs

Jetzt, im Mai, fand dieser Kurs statt – und: Warum besonders?
Das Thema ist besonders, und die Situation ist besonders, der Kurs fand in Andalusien statt – auf der Finca der Araberzüchterin der ersten Stunde, Ulrike Marcik, die auf 270 ha 70 Pferde hält.

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Denn die Pferde sind da „naturbelassen“. Die Gastfreundschaft ist außergewöhnlich. Die Pferde sind klar und ehrlich und gesund an Kopf, Körper und Seele sind. Und es ist einfach schön da. Also warum nicht?

Es war der dritte Jungpferdekurs auf der „La Cañada del Robledo“, der wildromantischen und unprätentiösen Finca am Rande der Sierra de Garazalema. Wie auch die zwei Male zuvor waren die zwölf Jungpferde (Hengste und Stuten zwischen 3 und 8 Jahren) mit zwei Ausnahmen am sechsten Tag soweit gefördert, dass wir in aller Ruhe und Freundschaft aufgesessen sind. Stressfrei. Kein „Einbrechen“, sondern eine liebevolle Intiation für das Leben als Reitpferde. Drei Lehrgänge „Jungpferde anreiten“ ohne einen einzigen Bocksprung, ohne Kampf, ohne Widersätzlichkeiten. Zu Anfang waren da große Zweifel der Teilnehmenden, dass in sechs Tagen aus „Wildfängen“ Reitpferde werden können, dann stürzten sie sich mit Eifer und viel Liebe an die Aufgabe in Dreier-Teams- und lösten sie erfolgreich, liebevoll und mit Begeisterung für ihre „Schützlinge“.

Das Resultat sind Pferde, die mitarbeiten, die auch bei den nachfolgenden Aufgaben im Leben als Reitpferd nicht in Widerstand gehen, sondern dadurch auffallen, dass sie mit positivem Interesse in Kontakt treten.
Berührt und positiv erschöpft machten sich die Teilnehmenden nach dieser Woche wieder auf den Weg in ihre kühleren Heimatländer – in die Schweiz und nach Deutschland und werden in den nächsten Jahren auch da zur Verfügung stehen für die respektvolle Art und Weise, wie man mit der Tellington Methode Pferde ans Reiten heranführen kann.

(Alle Fotos: Leonie Hochrein) IMG_7027komp

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Mit den Füßen achtsam die Erde berühren

Füße berühren

 

 

 

 

Es gibt eine Meditation, die heißt: „Mit den Füßen achtsam die Erde berühren“.

Heute war ich in Dortmund. In der Mittagspause unserer Arbeit lief ich durch die Innenstadt, auf der Suche nach einem Fleckchen grün für meine Hündin. Ich erinnerte mich an diese Übung. Das veränderte meinen Gang und meine innere Haltung sofort- und sehr angenehm. So lief ich eine halbe Stunde durch die Stadt und berührte die Erde achtsam mit meinen Füßen. Ich bin übrigens sicher, von solch einem Stadtbummel hat man abends keine bleiernen Beine.

Spannend war: Tiponi lief sofort anders an der Leine. Auch ihre kleinen Füßchen setzten viel bewusster auf. Sie war ganz bei sich und bei mir. Gut, weiter experimentieren war der Plan.

Zu Hause angekommen schien noch die Abendsonne und ich hatte Lust auf einen kleinen Ausritt zum Ausspannen. Nun ging es mehr um Khabars Füße, als um meine. Ich musste nur denken „achtsam die Erde berühren“, und mein Sitz öffnete sich, gleichzeitig wurden seine Tritte rhythmisch, weich. Er trug eindeutig weniger Last auf der Vorhand.

Wie sich diese innere Arbeit immer wieder nach außen überträgt! Der Gedanke wirkte, was dann in meinem Körper geschah konnte ich einfach beobachten.

Diese heutige Erfahrung erinnerte mich an eine Reitstunde mit Anja Görtzen. Anja hatte zu mir gesagt: „Stell dir vor, dein Pferd hätte Katzenpfötchen!“ – es machte etwas ganz Ähnliches.