Zwei- und vier­bei­ni­ge Lie­be

Apr 5, 2018

Lie­be, was ist denn das? 

Copy Right Bibi Degn

Freun­des­lie­be, Part­ner­schaft, erwi­der­te und nicht erwi­der­te Lie­be, pla­to­ni­sche und ero­ti­sche Lie­be, selbst­lo­se Lie­be, Lie­be auf den ers­ten Blick, Mut­­ter-und Vater­lie­be, Nächs­­ten- und Fein­des­lie­be, Ver­liebt­heit, Lie­be zur Natur, mys­ti­sche Lie­be, und last, but not least: Selbst­lie­be. Wenn man von Lie­be spricht, kann es eigent­lich sehr viel Ver­schie­de­nes sein- aber eines bleibt: Es ist die­ses Gefühl das wir alle ken­nen und her­aus­lo­cken kön­nen, wenn wir an uns einen Herz-TTouch machen! 

Schmet­ter­lin­ge im Bauch?

Ich war per­plex. Ich weiß nicht mehr, wer es war- aber sie sag­te zu mir: „Ich has­se es, wenn ich ver­liebt bin”. Sind doch sonst die Ver­lieb­ten immer eupho­risch? Nach län­ge­rem Nach­den­ken konn­te ich ver­ste­hen. Alles was wich­tig war (und ver­nunfts­mä­ßig auch ist) wird plötz­lich völ­lig unwich­tig: Die Men­schen, denen man ver­bun­den ist, wer­den ver­nach­läs­sigt, Ter­mi­ne abge­sagt, wich­ti­ge Prü­fun­gen ver­legt, man ten­diert zu Fehl­ein­schät­zun­gen und lässt sich auf Wag­nis­se ein, die, naja.… Ver­liebt­heit bringt unser Leben ganz schön durch­ein­an­der. Ver­liebt­heit dau­ert, habe ich gele­sen, ein Jahr, oder ein­ein­halb Jah­re, dann ist die Zeit mit die­sem beson­de­ren Hor­­mon-Cock­­tail vor­über. Wenn man Glück hat, wird Lie­be draus. Wer Ver­liebt­heit nie erlebt hat, fragt sich, ob er/sie etwas Wesent­li­ches ver­säumt hat. Viel­leicht nicht. Bezie­hun­gen schei­nen recht unab­hän­gig von der gro­ßen Ver­liebt­heit manch­mal her­vor­ra­gend und manch­mal nicht zu funk­tio­nie­ren. Weil die Ver­liebt­heit nicht alles ist, viel­leicht sogar gar nicht so wich­tig – jeden­falls ist es etwas ande­res als Lie­be.
Wir reden außer­dem hier von Tie­ren und nicht von Zwei­er­be­zie­hun­gen. Auch da gibt es das, oder? Die Hin­ge­zo­gen­heit zu einem Tier, das so gar nicht dem ent­spricht, was die Ver­nunft gesagt hat und was alle Freun­din­nen und die Tier­ärz­tin nach der Ankaufs­un­ter­su­chung raten — den­noch muss es eben sein. Aber auch hier- Bezie­hun­gen funk­tio­nie­ren oft ganz unab­hän­gig von der gro­ßen Ver­liebt­heit her­vor­ra­gend. Es gibt eben­so vie­le Mensch-Tier-Bezie­hun­­­gen, die sich erst lang­sam aus dem Schlamm wüh­len müs­sen, wie es jene mit der Lie­be auf den ers­ten Blick gibt, jene, bei denen man im ers­ten Moment weiß, dass man für­ein­an­der bestimmt ist.

Man läuft Gefahr, ein biss­chen zu wei­nen…

Man läuft Gefahr, ein biss­chen zu wei­nen, wenn man sich hat zäh­men las­sen…”, sagt A. de Saint Exu­pé­rie im klei­nen Prin­zen. Man läuft auch Gefahr, ein biss­chen zu wei­nen, wenn man Lie­be zulässt.Hat­ten auch Sie schon den Gedan­ken, nach­dem ein gelieb­tes Tier gestor­ben war, dass Sie kei­nes mehr woll­ten, weil der Abschieds­schmerz zu uner­träg­lich schien? Ja, man läuft Gefahr, ein biss­chen zu wei­nen, wenn man liebt. Der Grund dafür ist aller­dings ein sehr schö­ner: geleb­te Lie­be könn­te das Wich­tigs­te im Leben sein. Das, was man wie Edel­stei­ne in der Vitri­ne sei­nes Lebens sam­melt: „Die Sum­me unse­res Lebens sind die Stun­den, in denen wir lieb­ten“, sag­te Wil­helm Busch. Ich lie­be die­ses Zitat, sagt es doch kurz und knapp das aus, was vie­le Men­schen auf die eine und ande­re Art auf ihrem Ster­be­bett aus­drü­cken.
Eines wur­de mir klar im Lau­fe eines lan­gen Lebens und manch einer zwei- und vier­bei­ni­gen Lie­be: Wer auch immer geht, wer auch immer mich zurück­lässt, mei­ne Lie­be kann man mir nicht neh­men, denn die gehört zu mir und nicht zu dem Tier das gestor­ben ist, nicht zu dem Men­schen, der gegan­gen ist. Sie ist ein Teil von mir und es bleibt in mei­ner Ver­ant­wor­tung, für sie offen zu blei­ben. Lie­be bedeu­tet, dass man ein offe­nes Herz hat, sich berüh­ren lässt. Ja, es kann sein, dass man manch­mal ein biss­chen wei­nen muss. Und es kann sein, dass dies genau das ist, was uns zu mensch­li­chen Men­schen macht. Es ist nicht die Abwe­sen­heit von Schmerz, was uns glück­lich macht, aber viel­leicht die Fähig­keit und der Mut, unser Herz zu öff­nen.

Lasse frei was du liebst

So schei­nen Lie­be und die Her­aus­for­de­rung, los­zu­las­sen, irgend­wie zusam­men zu gehö­ren. „Die Lie­be ist ein Kind der Frei­heit, nie­mals das der Beherr­schung.” (sagt Erich Fromm in dem immer noch sehr lesens­wer­ten Buch: „Die Kunst des Lie­bens”) und doch ist stets die Ver­su­chung da, die Lie­be und ihre Objek­te zu beherr­schen, die zu kon­trol­lie­ren, die wir lie­ben, sie in unse­rem Leben fest­zu­na­geln, sie zu „besit­zen”, um zu ver­hin­dern, dass wir ein biss­chen wei­nen. Eltern ken­nen das zB, wenn die Kin­der groß wer­den. Und ich ken­ne das von den tau­send Abschie­den, wenn ich zu Semi­nar­rei­sen auf­bre­che. Und wir alle ken­nen das, wenn wir es so schwer haben, unse­re gelieb­ten Tie­re zu tei­len, ihnen zuzu­trau­en, zuzu­mu­ten, zuzu­ge­ste­hen, dass sie auch mit einem ande­ren Men­schen eine (gute) Zeit ver­brin­gen könn­ten.

Erkennt­nis und Ach­tung

Lie­be zu jemand ande­rem bedeu­tet, ihn so zu sehen, wie er ist. Sei­ne ein­zig­ar­ti­ge Indi­vi­dua­li­tät wahr­zu­neh­men. Immer wie­der offen zu sein, ihn in sei­nem inners­ten Wesen zu erfah­ren. Das sind die Momen­te in der Lie­be, die mir Glücks­trä­nen in die Augen trei­ben: wenn mich jemand in mei­nem inners­ten Wesen erkennt und berührt.
In einer gesun­den Lie­be bleibt aber auch die Indi­vi­dua­li­tät der/des Lie­ben­den erhal­ten, die eige­ne Inte­gri­tät. Lie­be ist wie Musik, die nur auf einem intak­ten fein gestimm­ten voll­stän­di­gen Instru­ment gedei­hen kann. Ver­bie­ge ich eine Flö­te, wird sie kei­nen ver­nünf­ti­gen Ton her­vor­brin­gen. Das bedeu­tet, dass ech­te Lie­be nur zu gedei­hen ver­mag, wenn ich aus mei­nem urei­ge­nen tiefs­ten Wesen her­aus lie­be und den Ande­ren in sei­nem tiefs­ten Wesen erken­nen und erfah­ren möch­te. Und das wie­der und wie­der. Eine Kunst!

Aber was hat all das mit unse­rer Arbeit mit Tie­ren zu tun?

Eine gan­ze Men­ge. Es gibt so vie­le Momen­te, in denen ich ‑oft mit mei­nen Hän­den am Tier- tie­fe Lie­be erfah­re. Mit all den Ele­men­ten, die uns die­se Arbeit lehrt. Weil uns die­se Arbeit lehrt, dem gelieb­ten Tier die Frei­heit zu las­sen: Es geht nicht um mich, son­dern es geht dar­um, dem Tier eine Hil­fe­stel­lung zu sei­nem bes­ten eige­nen Sein zu geben. Es geht dar­um, das indi­vi­du­el­le Tier in sei­nem tiefs­ten Wesen anzu­neh­men. Ist es nicht ein Wun­der, wie die Tie­re, ohne dass wir ihnen ver­mit­teln, dass sie anders sein sol­len, zu einer schö­nen Balan­ce ihres Ver­hal­tens fin­den, zu einem Ver­hal­ten, mit dem auch wir dann gut leben kön­nen, das Ler­nen und Koope­ra­ti­on mög­lich macht? Nur indem wir ihnen hel­fen, Ängs­te und Stress gehen zu las­sen und ein­fach zu sein? Wie es mich begeis­tert, immer wie­der, zu erfah­ren, dass jedes Tier, jeder Mensch, der frei wird von Ängs­ten und Stress, der also zu sei­nem eige­nen tiefs­ten Wesen fin­det, auch lie­bens­wert und für das Umfeld ange­nehm ist. „Wah­re Lie­be ist aus Verständ­nis gebo­ren” (sag­te Bud­dha — Sid­dhar­ta Gaut­ama 500 vor Chr.). Unse­re Zusam­men­ar­beit mit Tie­ren grün­det auf Ver­ständ­nis und Ver­trau­en, wozu Robyn Hood ein­mal die Klar­stel­lung mach­te: ‘Ver­ständ­nis bedeu­tet nicht zwangs­läu­fig, dass ich alles akzep­tie­re, wie es ist.’

Schaut hin, ohne zu bewer­ten und ohne zu inter­pre­tie­ren”, ist ein Satz, den ich in den Kur­sen ger­ne wie­der­ho­le. Leicht ist das immer bei denen, die wir nicht ken­nen. Wie schwer ist es bei denen, mit denen wir unser Leben tei­len, über die wir schein­bar ‘alles wis­sen’, so dass wir gar nicht mehr neu­gie­rig hin­schau­en müs­sen, wol­len – oder kön­nen.

Und nach dem Hin­schau­en beginnt die gemein­sa­me Arbeit hin zu den Zie­len, die wir uns so set­zen mit unse­ren Tie­ren. Los­las­sen, anneh­men und sich dann mit Freu­de und Lie­be an die Arbeit machen…..

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