Hals­band oder Brust­ge­schirr für mei­nen Hund?

Im Stra­ßen­bild fällt ein Hund, der am Hals­band zerrt, nicht groß­ar­tig auf. Höchs­tens unan­ge­nehm. Wir sind an die­ses Bild gewöhnt. Vor etwa zwei Gene­ra­tio­nen gab es noch Brust­ge­schir­re für Kin­der, auch das war recht nor­mal. Ein ange­schirr­tes Kind wür­de doch heu­te sehr auf­fal­len, aber stel­len Sie sich vor, jemand führ­te sein Kind am Hals­band aus. Die Welt wür­de auf­schrei­en, weil man, anders als bei Hun­den, die Unmög­lich­keit des Hals­ban­des plötz­lich wahrnähme.

 

Hier ist der kor­rek­te Ver­lauf eines Kör­per­seils als wei­ße Linie hinzugefügt.

Am Kör­per ange­setzt für Balance

Lin­da Tel­ling­ton-Jones unter­rich­tet eine sehr erfolg­rei­che Tech­nik zur Gewöh­nung von Foh­len an das Half­ter und das Füh­ren. Half­tert man ein untrai­nier­tes Foh­len auf und ver­sucht es zu hal­ten bzw. zu füh­ren, so kommt es unwei­ger­lich zu einem Zieh­kampf. Anders, wenn das Foh­len nach der Tel­ling­ton Metho­de trai­niert wird: Dabei benützt man ein Seil, wel­ches in Form einer 8 um den Kör­per des Foh­lens gelegt und im Bereich des Wider­rists ange­fasst wird, um das Tem­po und die Bewe­gungs­rich­tung des Pfer­de­kin­des zu regu­lie­ren. Das Half­ter kommt spä­ter dazu, und das Foh­len lernt den mit­tels Kör­per­seil aus­ge­üb­ten Ein­fluss, wel­cher spon­tan ver­stan­den wird, auf die Signa­le am Half­ter zu über­tra­gen und wird so ohne Kämp­fe halfterführig.

Ein Hund in einem TTouch Geschirr mit einer Har­mo­nie- oder Schlau­fen­lei­ne, ein wei­te­res Werk­zeug aus der Tel­ling­ton TTouch Metho­de, erin­nert mich an die­se Technik.

Hun­de, die kei­ne Lei­nen­füh­rig­keit gelernt haben, reagie­ren auf Kon­takt mit einer Lei­ne am Hals­band ähn­lich wie die Foh­len: Sie zie­hen. Meist haben sie weni­ger Kraft als ein Foh­len, und kön­nen gehal­ten wer­den, aber das Zie­hen hört trotz­dem nicht auf. Der Oppo­si­ti­ons­re­flex bleibt.

Die Wahl der Ausrüstungsgegenstände


In der Tel­ling­ton Metho­de wol­len wir die Tie­re aber unter­stüt­zen, erfolg­reich und selbst­be­wusst machen. Da wären sol­che Werk­zeu­ge kon­tra­pro­duk­tiv. Die Wahl eines guten Brust­ge­schirrs ist der ers­te
Schritt für Lei­nen­füh­rig­keit, näm­lich ein Geschirr, das den Hund nicht ein­engt, und das min­des­tens jeweils einen Ring an Vor­der­brust und Rücken hat. Hier ist die­se Ähn­lich­keit mit dem Kör­per­seil, das
Lin­da Tel­ling­ton-Jones emp­fiehlt, um ein Foh­len half­ter­füh­rig zu machen. Es setzt am Kör­per an, statt am Kopf.

Aber wie und war­um wirkt das genau?

 

Das TTouch Geschirr hat einen Ring zur Lei­nen­be­fes­ti­gung an der Vor­der­brust ; FOTO: Anna­le­na Kuhn

Ver­ge­gen­wär­ti­gen wir uns noch­mals den Zug am Hals

Zug bzw. Druck am Hals des Hun­des, der kei­ne Lei­nen­füh­rig­keit gelernt hat, beängs­tigt und ver­un­si­chert, löst den Oppo­si­ti­ons­re­flex aus und ver­än­dert das Gleich­ge­wicht des Hun­des. Der Oppo­si­ti­ons­re­flex schickt den Hund in den Lei­nen­zug und in der Fol­ge sucht er qua­si den Gegen­druck der hal­ten­den Hand, um sich aus­zu­ba­lan­cie­ren. Der Druck am Hals behin­dert die Atmung, ver­rin­gert den Sau­er­stoff­ge­halt im Gehirn, ver­stärkt Unsi­cher­heit und Reak­ti­vi­tät, und beein­träch­tigt die Lern­fä­hig­keit, ganz zu schwei­gen von der Gefahr, durch den star­ken Zug am Hals­band Hals und Wir­bel­säu­le und die Weich­tei­le im Kehl­be­reich zu ver­let­zen. Der ers­te Schritt zu guter Lei­nen­füh­rig­keit ist also, jeg­li­chen Druck am Hals zu vermeiden.

Zwei­punkt­füh­rung

Das Geh­tem­po eines Hun­des ist höher als jenes des Men­schen, allei­ne des­halb gerät die Lei­ne immer wie­der in Span­nung, solan­ge der Hund nicht gelernt hat, an loser Lei­ne zu gehen. Befes­tigt man die Lei­ne an einem ein­zel­nen Befes­ti­gungs­ring, so wird der Hund, sobald sich die Lei­ne spannt, infol­ge des Oppo­si­ti­ons-Refle­xes dar­an zie­hen wie ein Fisch an einer Angel, egal ob die Lei­ne im Hals­band oder am Rücken eines Geschir­res ein­ge­hakt ist. Lei­nen­be­fes­ti­gung an nur der einen Stel­le des Geschirrs im Rücken begüns­tigt also die Ten­denz zum Lei­nen­zie­hen.
Ein gutes Geschirr hat hin­ge­gen zwei Kon­takt­punk­te: einen an der Vor­der­brust, einen am Rücken. An bei­den wird die Lei­ne, wel­che an jedem Ende einen Haken hat, befes­tigt. Spannt sich nun eines der Lei­ne­n­en­den, so kann man dem Druck begeg­nen und ihn „weg­schmel­zen”, wäh­rend man die ande­re Ver­bin­dung auf­nimmt. Wech­selt man zwi­schen die­sen bei­den Kon­takt­punk­ten ab, so hat der Hund nichts, wor­an er zie­hen kann und eine Oppo­si­ti­ons-Reak­ti­on tritt nicht auf.

Das Brust­ge­schirr orga­ni­siert den Hund an des Men­schen Seite

Läuft ein Hund vor dem Men­schen, so blen­det er die­sen eher aus und hat eine wesent­lich gerin­ge­re Mög­lich­keit mit sei­nem Men­schen zu koope­rie­ren. Der idea­le Platz eines Hun­des, für das Mit­ein­an­der und das Gehen an loser Lei­ne, ist an dei­ner Sei­te. Befes­tigt man die Lei­ne nur am Rücken eines Geschirrs, so lan­det man unwei­ger­lich hin­ter dem Hund, einer „idea­len Posi­ti­on”, um Lei­nen­zie­hen zu pro­vo­zie­ren. Hakt man jedoch das ande­re Ende der Lei­ne in einen Ring an der Vor­der­brust, so posi­tio­niert das den Hund von selbst in sei­ner Schul­ter­hö­he an des Men­schen Bein, einer wesent­lich ange­neh­me­ren und ziel­füh­ren­de­ren Posi­ti­on zum gemein­sa­men Gehen, die nicht per se Lei­nen­zug aus­löst.
Hat der Hund das Gehen an locke­rer Lei­ne ein­mal gelernt, kann er das auch umset­zen, wenn er vor dem Men­schen geht. Dann spricht nichts gegen einen gemüt­li­chen Spa­zier­gang an einer län­ge­ren Lei­ne, auch an einem Kon­takt­punkt und wech­seln­der Posi­ti­on. Falls nötig, hat man immer noch die Balan­ce­lei­ne- die ihre Wir­kung eben­falls dem Anset­zen am Kör­per ver­dankt. Und den Hund an unse­re Sei­te organisiert.

 

Foto Anna­le­na Kuhn
Gehen Hund und Mensch neben­ein­an­der,
kann sich der Hund gut an sei­nem Men­schen orientieren.

Brust­ge­schir­re sind komfortabler

Geschir­re müs­sen pas­sen und sinn­voll gefer­tigt sein. Sie ver­tei­len dann den Druck auf mehr Kör­per­flä­che und auf die weni­ger emp­find­li­chen Kör­per­stel­len an Brust und den Sei­ten – im Gegen­satz zu Hals­band und Kopf­half­ter, die Druck auf den Hals oder Kopf brin­gen. Des­halb ist ein gut sit­zen­des Brust­ge­schirr ange­neh­mer für den Hund. Ist die Lei­ne nun an zwei Kon­takt­punk­ten am Geschirr ein­ge­hakt, ver­hin­dert man unan­ge­neh­men Druck am Hun­de­kör­per. Der Hund kann sich ent­span­nen und hat infol­ge­des­sen auch weni­ger Ten­denz zu zie­hen. Aber beach­te: Geschir­re, die sich fest­zie­hen, sobald die Lei­ne gespannt ist, also ein unan­ge­neh­mes Gefühl beim Lei­ne­zie­hen erzeu­gen, haben eine ande­re Wir­kung. Sie schmer­zen oder stö­ren den Hund und sind nicht empfehlenswert.

Signal­ge­bung und Kommunikation

Die kör­per­li­che Balan­ce sowie das Ver­hal­ten eines Hun­des kann über zwei Kon­takt­punk­te bes­ser beein­flusst wer­den. Man kann ihm bes­ser kom­mu­ni­zie­ren, was man von ihm erwar­tet. Die Ver­bin­dung zum Rücken kann man als „Brem­se”, die Ver­bin­dung an der Vor­der­brust vor­wie­gend als „Len­kung” betrach­ten. Will man den Hund lang­sa­mer machen, so hebt man die Lei­ne sanft an (bes­ser als ein rück­wärts wir­ken­der Zug), was sein Tem­po ver­lang­samt, ohne den Oppo­si­ti­ons­re­flex wach­zu­ru­fen. Die Bewe­gungs­rich­tung kann über den vor­de­ren Ring sehr klar kom­mu­ni­ziert wer­den. So kann die Lei­ne sanft und freund­lich genutzt wer­den, zur Unter­stüt­zung der ver­ba­len Hör­zei­chen, als Signal oder Hil­fe, aber nicht als Korrektur.

Die Hand­ha­bung der Lei­nen und die Qua­li­tät der Signa­le sind ein geson­der­tes The­ma über das in einem der fol­gen­den Bei­trä­ge bespro­chen wird.

Das Geschirr bringt den Hund in bes­se­re Balance

Für das Gehen an locke­rer Lei­ne muss der Hund in sei­nem Gleich­ge­wicht sein, statt sich in die Lei­ne zu hän­gen. Wie gesagt, ein ein­zel­ner Kon­takt­punkt macht das schwie­rig, bringt ihn (und sei­nen Men­schen mit des­sen Oppo­si­ti­ons­re­flex) aus der Balan­ce. Eine Zwei­punkt-Füh­rung bringt hin­ge­gen den kör­per­li­chen Schwer­punkt des Hun­des nach hin­ten, und den Hund somit in Balan­ce. Ein Hund mit guter kör­per­li­cher Balan­ce ist auch emo­tio­nal in bes­se­rem Gleich­ge­wicht und wird in der Fol­ge bes­ser ler­nen können.

 

Foto Leo­nie Hoch­rein
Mir­jam Nash (Tel­ling­ton Pac­ti­tio­ner in Mün­chen) in schö­ner Zweipunktführung.

Das Ding mit der Har­mo­nie- oder Schlaufen-Leine

Vie­le Jah­re haben die Prac­ti­tio­ner und Kursteilnehmer*innen der Tel­ling­ton Metho­de müh­sam und sorg­fäl­tig geübt mit den bei­den Lei­ne­n­en­de zu arbei­ten, ihre bei­den Hän­de unab­hän­gig von ein­an­der zu „bedie­nen”.
Nun, da wir es end­lich kön­nen, gibt es die wun­der­ba­re
Schlau­fen­lei­ne, die Lei­ne, wel­che mit ihren bei­den Ende an den bei­den
Rin­gen des Brust­ge­schirrs ein­ge­hankt wird. Dazwi­schen läuft ein
gro­ßer Ring frei über die Lei­ne, an dem (güns­tigs­ten­falls mit
einem Wir­bel) eine Schlau­fe befes­tigt ist für den Men­schen Hand.
Die­se „Kom­po­si­ti­on” macht es leicht. Dadurch, dass der Ring frei
über die Lei­ne glei­tet, ent­steht weni­ger Wider­stand. Es wird
ver­hin­dert, dass der Mensch unab­sicht­lich den Oppo­si­ti­ons­re­flex beim
Hund aus­löst. Die Benüt­zung ist recht ein­fach und mit ein paar
weni­gen Tech­nik-Hin­wei­sen kann die­ses Werk­zeug tief­sit­zen­de
Lei­nen­zieh-Gewohn­hei­ten aufbrechen.

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Die Tiere-Akademie ist ein anerkanntes Bildungsinstitut, das  traditionsreiche, erfahrene Ausbildungsinstitut für die Tellington-Methode. Hier wurde die Tellington-Ausbildung für Europa gemeinsam mit Linda Tellington-Jones strukturiert und stetig weiterentwickelt. Mit jeder Generation von Teilnehmenden sind die Schritte präziser geworden, 30 Jahre an Erfahrung, was Lernende brauchen, wie sie am besten unterstützt werden können. 

 

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  1. Buche dein erstes Intensivseminar

2. Entscheide, ob die Ausbildung richtig ist für dich

3. Besuche vier weitere Intensiv-Seminare im halbjährlichen Abstand, jedes hat ein Schwerpunktthema.

4. Wende an und dokumentiere

5. Zwei Jahre ab deinem ersten Intensiv-Seminar kannst du deinen Abschluss beantragen.

 

Für wen? 

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Für Profis, die stabile Werkzeuge für den Unterricht und das Training brauchen

Für Halter:innen von Pferden, die intensiv an Vertrauen arbeiten und die Beziehung vertiefen wollen.

Für alle, die Tellington gut finden, für sich und ihr Tier.

Für alle, die eine sichere, solide und ehrliche Bezieheung zu ihrem Pferd suchen.

 

"Resilienz für Mensch und Pferd"

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2. Entscheide, ob die Weiterbildung richtig ist für dich und melde dich in der Jahresgruppe an.

3. "Erfinde" dein eigenes Projekt, um in der Weiterbildung daran zu lernen.

3. Besuche acht Online-Selbstlernkurse mit anschließendem Austausch über die online-Plattform Zoom und gestalte dein Projekt an den Themen aus.

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Was unsere Teilnehmerinnen sagen:

"Sehr pädagogisch professionell, kreativ und auf Fragen immer eingehend – mit viel Erfahrung und Wissen. Ich würde die Weiterbildung jedem empfehlen, der mit Pferden arbeiten möchte"

Bärbel F.

Ich hätte nicht geglaubt, dass sich Hunde in einer Gruppe mit so vielen anderen so ruhig verhalten können - danke allen für die Umsicht und Rücksichtnahme auf Benni!

Teilnehmerin

"Ich empfehle diese Weiterbildung aus vollem Herzen weiter. Darin liegen gebündeltes Wissen aus langjähriger Pferde- und Pädagogikerfahrung, viel Herzblut und Begeisterung, Theorie und tolle Praxiserfahrungen. Ich würde die Ausbildung sofort noch einmal machen!"

Kristina R.

"Der Raum innerhalb der Seminare war immer sehr herzlich, man fühlte sich direkt angekommen. Alle Dozentinnen strahlen eine Ruhe und Wärme aus, bei der man sich einfach wohlfühlen muss."

Teilnehmerin

Es ist persönlich, es ist praxis-orientiert und es ist professionell. Das ist die Kombination, die ich liebe, deshalb komme ich immer wieder. Macht weiter so - es gibt schon genug Schulungen, in denen man mehr auf die Leinwand starrt, als am Tier zu arbeiten!

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