Tipps bei Gurt­zwang

Sep 15, 2015

Gurt­zwang bei Pfer­den kann vie­le unter­schied­li­che Ursa­chen haben. Und kann unter­schied­lich stark aus­ge­prägt sein: von leich­tem Ohren zurück­le­gen bis hin zu sich auf den Boden wer­fen oder eine Stun­de lang unkon­trol­liert buckeln her­um­zu­ra­sen, ein Fall von dem ich kürz­lich hör­te. Und man kann Eini­ges machen.

Aber zuerst ist die Fra­ge zu klä­ren, ob die Ursa­che bereits abge­stellt ist.
Wich­tig ist zunächst, dass man sich dar­über im Kla­ren ist: Wenn das Pferd sagt, es ist doof — dann ist es doof.

Sat­tel prü­fen
Vie­le Pferdehalter*innen über­se­hen die Tat­sa­che, dass beim Gur­ten der Sat­tel ange­zo­gen wird, nicht nur der Gurt. Falls der Sat­tel nicht passt, wird er beim Angur­ten in die Druck­stel­len gezo­gen. Es ist, als wür­de man am Tag nach einem Berg­marsch drü­cken­de Schu­he wie­der anzie­hen, aua! Ich kann das prü­fen, indem ich mei­nem Pferd statt eines Sat­tels ein Bareb­ack Pad oder Ähn­li­ches anzie­he und prü­fe, ob das Ver­hal­ten anders ist. Ich emp­feh­le, dies an eini­gen Tagen zu pro­bie­ren, denn zunächst ist da sei­tens des Pfer­des auch eine belas­te­te Erwar­tungs­hal­tung.

Gurt prü­fen
Oft­mals wird der Gurt absicht­lich sehr fest ange­zo­gen: Reiter*innen, die in ihrem Leben schon die Erfah­rung gemacht haben, mit dem Sat­tel vom Pferd zu rut­schen, haben viel­leicht ein The­ma damit: Sie füh­len sich nur sicher, wennd er Gurt mit aller Kraft ange­zo­gen ist. Außer­dem sehe ich immer wie­der, dass die Fes­tig­keit des Sat­tel­gurts seit­lich geprüft wird. Aber seit­lich gibt es, zumin­dest bei man­chen Pfer­den, eine eher hoh­le Stel­le, je nach Brust­korb­form: Aus­sa­ge­kräf­tig ist nur der Druck des Gur­tes direkt unten am Brust­bein.

Wie wur­de das Pferd an den Sat­tel­gurt her­an­ge­führt?
Erfah­run­gen vom ers­ten Gur­ten kön­nen trau­ma­ti­sie­rend gewe­sen sein und die­ses Trau­ma mag nach­wir­ken: Pfer­de, die einen Sat­tel ange­zo­gen bekom­men, fes­te ange­gur­tet und die “nun geh mal buckeln”-Erfahrung machen, oder im Round Pen buckelnd im Kreis getrie­ben wer­den, befin­den sich in einer sehr hilf­lo­sen Situa­ti­on. Sie brin­gen dies ver­ständ­li­cher­wei­se mit dem Gurt in Zusam­men­hang. Die­ses Trau­ma, umso mehr als es eine ers­te Erfah­rung mit dem Sat­tel ist, kann sehr tief sit­zen.

Emp­find­sam­keit
Stu­ten sind mit­un­ter sehr emp­find­lich an ihrem Bauch und fin­den das Angur­ten auch je nach hor­mo­nel­lem Zustand unan­ge­nehm. Es kön­nen kör­per­li­che The­men am Ske­lett vor­lie­gen, ein Check mit einer/m Osteopath*in oder Chiropraktiker*in, um die Struk­tu­ren von Brust­bein und Rip­pen zu prü­fen, kann ange­sagt sein.

Lang­sa­mes Angur­ten
Zum all­ge­mei­nen guten Beneh­men als Reiter*in gehört, dass man den Gurt zunächst sehr leicht anlegt, und zwar so leicht, wie es das Pferd als ok angibt. Erst nach und nach wird lang­sam angur­tet, u.U. auch erst, wenn man das Pferd in die Bewe­gung gebracht hat. Atmet das Pferd, oder ver­än­dert es sei­ne Atmung, sobald man den Gurt anlegt? Der Ein­satz eines Gur­tes mit elas­ti­schen Ein­sät­zen (auf bei­den Sei­ten oder mit­tig) kann emp­feh­lens­wert sein.

Tech­ni­ken der Tel­ling­ton Arbeit
Mit Kör­per­bän­dern kann man dem Sat­tel­gurt ange­neh­me Kör­per­er­fah­run­gen ent­ge­gen set­zen. Aus der Tel­ling­ton Arbeit ist der Bauch­he­ber mit Kör­per­band, Hän­den und mit dem Sat­tel­gurt selbst zu emp­feh­len, bzw. eine Vor­be­rei­tung des Kör­per­be­reichs mit Muschel-TTou­ches, und Python­he­bern. Bei Pfer­den, die gene­rell berüh­rungs­emp­find­lich im Bereich ihres Bau­ches sind, emp­fiehlt sich ein Vor­ar­bei­ten von einer ande­ren Kör­per­stel­le, an der man den Erst­kon­takt macht. Man bringt die Hand nicht auf den emp­find­sa­men Stel­len in Kon­takt, son­dern glei­tet dort­hin, zb mit­tels einem Zick­­zack-TTouch oder einem Troi­­ka-TTouch. (Die Beschrei­bung der Tech­ni­ken fin­den sie im Buch: Das Tel­ling­ton Trai­ning für Pfer­de von lin­da Tel­­lin­g­­ton-Jones, zu bestel­len im www.tteamshop.de)

Das Sat­teln und Gur­ten noch­mals von vor­ne
Mit Tech­ni­ken der Tel­ling­ton Metho­de, Cli­cker Trai­ning oder ande­ren Trai­nings­me­tho­den mit posi­ti­ver Ver­stär­kung kann ich das Sat­teln noch­mals neu auf­bau­en. Dabei beginnt man mit einem Kör­per­band um die­sen Bereich, bzw. einer hal­ben oder Vier­­tel-Ban­­da­­ge. Bauch­he­ber mit Hand­tü­chern oder elas­ti­schen Bän­dern oder Gur­ten sol­len dem Pferd hel­fen, wei­ter­hin zu atmen, auch wenn im Bereich der Gurt­la­ge etwas ange­legt wird. Mit dem Cli­cker oder einem Mark­er­wort kann ich sowohl den Sat­tel (oder vor­ab nur eine Decke), als auch einen Gurt neu posi­tiv ver­knüp­fen. Dabei ach­te ich dar­auf, einen Moment zu wäh­len, für die Bestär­kung, in dem die Ohren vor­ne sind und das Pferd ein ent­spann­tes fro­hes Gesicht macht.
Ich kann den Fort­gang mei­ner Arbeit prü­fen, indem ich das Pferd satt­le bzw gur­te, ohne es fest­zu­bin­den. Denn das Pferd hat das recht “nein dan­ke” zu sagen, wenn es klemmt.

Und bis dahin: ohne Sat­tel rei­ten 🙂 und die wun­der­ba­ren Fort­schrit­te in der Boden­ar­beit genie­ßen. Denn, wie ich zuletz­te von Alex­an­dra Kur­land über­zeu­gend vor­ge­tra­gen gehört habe: sau­ber geleg­te Fun­da­men­te machen die Musik.

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